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Interview mit Mountainbikeprofi und Ausnahmesportler Thomas Litscher

Der Schweizer Radprofi Thomas Litscher zählt zu den schnellsten Mountainbikern der Welt und erzielt bei fast allen großen internationalen Rennen Platzierungen im Spitzenfeld. Wir, das Team der Arktis BioPharma, beraten und unterstützen ihn dabei in seiner sportlichen Leistungsfähigkeit und sprachen mit ihm über eine Blitzkarriere, schwieriges Terrain und sein Leben für den Sport.

Thomas, was macht für Dich das Cross-Country-Mountainbiken (XCO) unter Hunderten verschiedener Sportarten aus, warum hast Du Dich dafür entschieden? Birgt das nicht ein hohes Verletzungsrisiko?
Für mich ist draußen sein sehr wichtig. In der Natur den Wald, die Berge oder sonst einfach einen schönen Singletrail genießen. Als kleiner Junge habe ich mit Leichtathletik angefangen, dann ist Fußball dazu gekommen und auch noch das Biken. Schließlich entschied ich mich nach Spaßfaktor. Die Wahl fiel daher auf das Mountainbiken. Verletzen kann man sich bei jeder Sportart und sogar im Alltag (lacht). Und als Profi muss man dieses Risiko in Kauf nehmen.

Wann fiel die Entscheidung, Profi zu werden?
Meine Resultate waren schon im Juniorenalter sehr gut. Jedoch entschied ich mich zu einer Ausbildung, damit ich nach meiner Karriere einen Abschluss habe. Von 2006–2009 erlernte ich also den Beruf des Kaufmanns bei der Gemeindeverwaltung in Thal. Danach arbeitete ich weitere zwei Jahre halbtags. Die Entscheidung Profi zu werden, fiel 2011 mit einem neuen Team, bei dem ich einen besseren Vertrag erhielt. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich mit Sponsoringeinnahmen und dem Lohn vom Team meinen Sport selbst finanzieren.

Hauptberuflich biken – das klingt nach Spaß und Action, aber dahinter steckt eine Menge Arbeit, richtig?
Ich denke, es ist wie bei vielen Jobs. Die Tage, an denen es Spaß macht, überwiegen. Jedoch gibt es auch andere. Momentan im Winter ist es zäh! Es braucht extra Motivation, bei diesem Sauwetter zu trainieren, und vor allem, auf der Rolle im Haus zu sitzen (lacht). Jedoch ist das Part of the Game. Deshalb freue ich mich umso mehr, wenn dann wieder der Frühling vor der Tür steht!


Wie laufen ein typisches Jahr und eine typische Woche bei Dir ab? Wahrscheinlich nicht fünf Tage 9 to 5 und Sommerurlaub?
Meistens beginnt die Rennsaison im Februar und endet im Oktober. Danach gibt es eine kurze Pause, das heißt einmal zwei Wochen das Bike nicht anrühren. Aber keineswegs nichts tun. Denn dann gehts zum Wandern, oder einfach Dinge tun, auf die ich das ganze Jahr über verzichten muss.
Ansonsten trainiere ich meistens sechs Tage die Woche. Im Jahresdurchschnitt sind das um die 15 Wochenstunden auf dem Bike. Daneben wird natürlich auch noch im Kraftbereich gearbeitet. Die Erholung mit Stretching und Blackrollen darf man auch nicht vergessen. An einigen Tagen stehen auch zwei Trainingseinheiten auf dem Plan. Da wird meistens am Vormittag mit hoch intensiven Intervallen gefahren und am Nachmittag noch eine lockere Grundlageneinheit. Sonntag und Wochenende gibt es nicht. Eigentlich ist jeder Tag ein Arbeitstag. Während der Saison finden dann am Wochenende meistens die Wettkämpfe statt.

Stimmt eigentlich Udo Bölts Spruch „Quäl dich du Sau?“
Klar, wer sich am meisten quälen kann, gewinnt!

Es gibt ja diverse Wettkampfformate. Welche fährst Du aktuell und welche sind Deine Favorites?
Ich bin angestellt in der Hauptdisziplin Olympisches Cross Country (XCO). Jedoch nehme ich auch an einigen Vier-Tage-Rennen und Marathons von meist 80 km teil.

Du bist als Kämpfer bekannt und hast Deine Laufbahn wie eine Rakete begonnen, warst bereits als Jugendlicher der schnellste Schweizer Mountainbiker und 2011 U23-XCO-Weltmeister. Was ist Dein Geheimnis?
Ich bin mit Technik gesegnet. Das heißt, ich komme auch mit technisch schwierigen Strecken mit Wurzeln, Felsen, Sprüngen und anderen Hindernissen immer zurecht. Natürlich hat mir die Natur auch einen guten Motor geschenkt (lacht). Und ich bin durch eine ausgezeichnete Trainingslehre gegangen, bis ich dann eine gewisse Reife erreicht hatte.

Worauf achtest Du bei der Ernährung und Lebensweise?
Ausgewogen, heißt das Zauberwort. Ich habe schon vieles erlebt und auch schon viele Fehler gemacht, aus denen ich gelernt habe. So habe ich schon zu viel auf Kohlenhydrate verzichtet, zu sehr aufs Gewicht geschaut und somit meinen Körper geschädigt und das Immunsystem geschwächt, was auch ins Mentale ging. Aber man lernt nie aus. Ich versuche, mich heute sehr ausgewogen zu ernähren: viel Gemüse, Obst und gesunde Kohlenhydrate: während der Saison meistens glutenfrei und keine schnellen Zucker, also eher Linsen, Reis, Buchweizen- und Kichererbsenpasta. Ebenso spielen Proteine eine wichtige Rolle, auch zusätzlich als Ergänzung, da diese eine schnelle Regeneration direkt nach dem Training ermöglichen. Rotes Fleisch kommt bei mir nicht allzu oft auf den Teller. Mit Zucker bin ich auch eher zurückhaltend. Jedoch habe für mich gelernt: Wenn ich auf zu vieles verzichten muss, funktioniert es mit der Leistung nicht mehr so gut. Es muss immer eine Balance bestehen: Nicht immer volle Leistung vom Körper fordern, sondern auch einmal genießen, sei es ein Stück Kuchen oder zwei oder ein Glas Wein oder Bier, wenn ich Lust habe. Einfach damit der Kopf nicht immer verzichten muss.

Auf welche Erfolge bist Du besonders stolz?
Meinen U23-Weltmeistertitel und meinen dritten Platz bei der Elite WM 2017. Durch den U23-Titel schaffte ich direkt den Sprung in ein Weltklasseteam: das ehemalige Multivan Merida Biking Team. In diesem durfte ich vier Jahre fahren, bis es die Tore schloss und ich mich wieder neu orientieren musste. Die Bronzemedaille 2017 half mir, mental am Ball zu bleiben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich viele Ups und noch mehr Downs. Das Podium gab mir wieder das Selbstvertrauen, dass vieles erreichbar ist, wenn bei mir alles zusammenpasst.

Im März und November 2018 wurdest Du an der Hüfte operiert? Im Profisport sind dann schnell Monate verloren. Bist Du wieder voll da?
Dies war mental ein schwieriger Moment, mitten in der Rennsaison eine solche Entscheidung zu treffen. Aber ich hatte schon länger Probleme und wollte sie nicht mehr über eine ganze Saison aushalten. Die Ärzte haben mir gesagt, dass es möglicherweise bis zu sechs Monaten dauern wird, bis ich wieder Rennen fahren kann. Schlussendlich bin ich nach sechs Wochen wieder am Start gestanden. Das habe ich der super Betreuung aus meinem Umfeld zu verdanken – aber auch meinem Willen, unbedingt wieder zu starten. Im November 2018 kam dann auch noch die andere Seite unters Messer. Aber alles ist nun gut verheilt. Natürlich mit viel Pflege und täglichen Übungen.

Mountainbikerennen zählen seit 1996 zu den olympischen Disziplinen. Hast Du einmal mit Olympia geliebäugelt?
Ja, mit 2020 (lacht).

Was sind Deine nächsten sportlichen Ziele?
Konstante Top-10-Resultate im Weltcup, es darf auch wieder ein Podium sein (lacht). Perfekt wäre
ein WM Podium im September 2019.

Du wirst dieses Jahr 30. Gibt es Überlegungen für die Zeit nach dem Profisport?
Ich hatte – auch aufgrund einiger Verletzungen – schon öfter den Gedanken, den Sport aufzugeben. Jedoch bin ich dann immer zurückgekommen und habe gute Ergebnisse abgeliefert. Deshalb fahre ich weiter. Ich denke auch: Wenn man noch aktiv ist, sollte man sich nicht zu oft mit dem Danach beschäftigen. Der Kopf sollte bei der Sache sein.

Viele ambitionierte Freizeitmountainbiker trainieren in Eigenregie neben Ausbildung oder Beruf. Hast Du Tipps, wie sie ihr Training in diesem Rahmen optimieren können?
Das Wichtigste ist, Spaß zu haben. Nicht immer Vollgas, sondern die Intensitäten gezielt in Intervallen einsetzen und Abwechslung ins Training bringen.

Wir sind neugierig und möchten Dir noch einige persönliche Fragen stellen: Was …

… gehört für Dich zu einem perfekten Tag?
Wenn ich aufstehe, rausschaue, der Tag mit blauem Himmel, Sonnenschein und 25 Grad beginnt und ich fit und munter zu einem Training aufbreche. Danach ein feines Essen, dann bin ich schon sehr zufrieden.

… ist Dein Lieblingsort?
In der Natur. Ich fühle mich im Engadin und allgemein in den Bergen sehr wohl.

… würdest Du gerne öfter tun?
Skifahren.

… stimmt Dich nachdenklich?
Die Umweltverschmutzung, besonders wenn ich Ausland unterwegs bin. In der Schweiz mit ihrer schönen Natur sehe ich nicht so viel davon und bin immer dankbar, dorthin zurückkehren zu dürfen.

… gehört für Dich zu den wichtigsten drei Dingen im Leben?
Familie und Umfeld, Sport und Essen.

… magst Du überhaupt nicht?
Training bei Kälte und (Schnee-)Regen.

… bringt Dich zum Lachen?
Witze, gelungene Sprüche, spontan einfach manchmal rumalbern.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Saison 2019!

Author Markus Opalka

Markus ist M.Sc. Health Science, Heilpraktiker, Osteopath und Gesundheitswissenschaftler.

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